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Die Porno-Industrie und ihre Innovationskraft

Seitdem der Film „Fifty Shades of Grey“ in die Wohnzimmer Einzug hielt und Kommentatoren in Funk und Fernsehen freudestrahlend und freiwillig Bericht erstatteten, sind gewisse Praktiken salonfähig geworden. Und immer wieder stellt sich die Frage, ob dabei die Porno-Industrie Innovations-Jäger oder -Gejagter ist.

 

Der (heimliche) Katalysator des Buchdrucks

Gutenberg hat bekannterweise eine ganze Branche revolutioniert. Was die wenigsten wissen ist, dass seine Bibeltexte nicht den erwarteten Absatz fanden. Da half das älteste Gewerbe auf Erden aus und erst dadurch wurde der Buchdruck populär. 

Selbst ein paar Jahrhunderte später verhalf die Erotikbranche dem nächsten Medium zum Erfolg: Der Fotografie. Denn bis dahin mussten Gemälde für erotische Darstellungen herhalten, welche sicherlich einen sehr hohen künstlerischen Wert inne hatten, aber eben nicht massentauglich waren.

 

Und als die Bilder laufen lernten war es wieder die Branche aus der „Schmuddelecke“, die für den Vertrieb in der breiten Masse sorgte und somit die technologischen Ansprüche vorantrieb. Denn allein dieser Branche ist es als Erste zu verdanken, dass der Verkauf von Filmkassetten begann.

 

Die Pornoindustrie als maßgeblicher Motor des Internets

Mag man Analysten und Marktforschern glauben, hätten wir heute ohne dem Zutun der Erotikbranche nicht das Internet wie wir es kennen. Noch zu Zeiten des Usenets, und das war vor dem World Wide Web, wurde sich über diverse Nutzergruppen per Textnachrichten in Chatrooms ausgetauscht. Eine Gruppe namens Erotica war immerhin für acht Prozent des Gesamtverkehrs verantwortlich. Und viele von uns kennen sicherlich noch den Giganten AOL in seiner Blütezeit. Auch in deren Chaträumen ging es Ende der Neunziger zu 82 Prozent um Sex. Und wieder war Erotik die treibende Kraft hinter der Innovation.

 

Zu Boom Zeiten der Dot Com erwirtschaftete die Pornobranche 70 Prozent des amerikanischen E-Commerce-Umsatzes. Auch das Affiliate Marketing wurde erst durch den harten Wettbewerb unzähliger Pornoseiten auf das heutige Niveau gehoben.

 

Die erste Webcam, die es wohl immer noch gibt, steht in einer kleinen Küche im MIT und zeigt den Füllstand der Kaffeemaschine an. Diese Technologie hat es auch in unseren Alltag geschafft – Skype und Co lassen grüßen. Aber weit davor waren es sogenannte Cam-Girl-Seiten, die diese Technologie erfolgreich nutzte. 

 

Selbst das Streaming von Filmen hat die Industrie vorangetrieben. Bereits zehn Jahre bevor YouTube für jedermann erreichbar war, gab es einen holländischen Pornovertrieb für die erste Streaming-Seite. Auch circa zehn Jahre vor Netflix gab es bereits die ersten On-Demand-Videotheken.

 

Cyber Glasses

Quelle: pixabay.com

 

Weiter geht es mit Virtual Reality. In einem festgelegten Zeitraum wurden namenhafte Anbieter von VR-Videos/VR-Brillen miteinander verglichen, um die durchschnittliche Verweildauer zu analysieren. Das Ergebnis entspricht eher den Erwartungen: Einer der größten Anbieter in der Porno-Szene hat mit seiner VR-Sparte die anderen Anbieter um Längen bzw. um 2,25 Millionen mehr Stunden Verweildauer geschlagen.

 

Die jüngere Generation, für die Facebook uncool ist, aber Snapchat ihr digitales Zuhause, kennen den Dienst in seinen Anfängen bestimmt sehr gut. Verschickte Bilder, die sich nach Erhalt innerhalb von Sekunden „auflösen“, waren prädestiniert für obszöne Darstellungen. 

 

Welche technologische Entwicklung wird die Pornobranche als nächstes vorantreiben? Vielleicht dreidimensionale Umgebung, in welche man agieren kann oder doch eher Hologramme? Vielleicht aber auch Ganzkörperanzüge, um das virtuelle Erlebnis real erscheinen zu lassen? In Asien ist man jedenfalls schon emsig dabei. 

 

Fest steht, dass es ohne diese Branche diverse Technologien spät oder vielleicht gar nicht in unser Privat- und Berufsleben geschafft hätten. Sex ist zwar nicht der Auslöser für neue Technologien, aber definitiv kreativer und innovativer Treiber, mit einem sehr gutem Gespür für erfolgreiche Geschäftsmodelle. Denn globale Platzhirsche kontrollieren die gesamte Wertschöpfungskette. Ein Traum für jedes Startup. Und selbst der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Joseph Slade sieht sich in seiner These bestätigt, dass das Bedürfnis nach sexuellen Abbildungen hilft, die Entwicklung kommunikativer Technologien voranzutreiben.

 

Bleiben Sie neugierig und innovativ!

Ihr InnoCademy-Team

Bildquelle: Pixabay 


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Falk Mahlendorf

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